Zur Erinnerung. Heute ist der Pangea Day. In Berlin gibt es Public Viewings in einer Bar namens „Kapelle“ am Zionskrichplatz 22-24 und im Gebäude der Bertelsmann-Stiftung, Unter den Linden 1, letztere ist allerdings nicht kostenlos. Man kann das vierstündige Programm aber auch per Stream verfolgen. Um 20:00 Uhr CEST geht es los. Mal sehen, wie das wird. Hoffentlich funktioniert es besser als Live 8 (jetzt nicht, was die Besucherzahlen, sondern, was die Wirkung angeht).

Das Weblog fängt hier eigentlich erst an. Die älteren Beiträge habe ich für mein „privates“ Weblog (also meinen Blog) geschrieben und da dort das Thema „Politik Italiens“ immer größeren Raum einnahm, meine Freunde sich aber – glaube ich – dafür gar nicht so sehr interessieren, habe ich beschlossen, dieses Thema auszulagern und ein eigenes Weblog dafür ins Leben zu rufen. Das ist auch mit einem neuen Anspruch verbunden: Ich will es mal amplifizierte Objektivität nennen (dies auch der Grund für die konsequente Benutzung des Begriffs „Weblog“ statt des durchaus gängigeren und weniger sperrigen Wortes „Blog“; es scheint mir in höherem Maße Seriösität auszustrahlen).

Die Idee dazu kam mir – wie alle guten Ideen – bei einem Kneipenbesuch und ich möchte einer Freundin (die von ihren Volontariatsaufgaben berichtete, zu denen u.a. das Erstellen einer Website gehört) für den Gedankenanstoß danken: Danke!

Der Titel besteht aus einem Zitat von Jehane Noujaim, einer jungen Dame, die sich u.a. für den Weltfrieden engagiert. Um diesem ein Stück näher zu kommen, hat sie ein Projekt entwickelt, bei dem wir – also wir Menschen – uns näher kommen sollen. Das wird möglich gemacht, indem wir Menschen, und zwar so viele wie möglich von uns und an so vielen Orten wie möglich, gleichzeitig eine Reihe von Kurzfilmen sehen, über Fernsehen oder Live-Stream. Das Ganze nennt sich „Pangea Day“ und man hat einen schönen Trailer dazu gemacht. Es wird unterstützt von TED, einer, wie ich finde, immer großartiger werdenden Organisation. Ihre Rede – den sogenannten TED Wish – kann man sich hier ansehen.

Wer also am 10. Mai von 20.00 bis 24.00 Uhr noch nix vorhat, kann sich da einen schönen Filmeabend machen. Am besten mit ein paar Freunden.

(Nachtrag vom 19.04.2008: Ich möchte im Nachhinein betonen, das ich den folgenden Eintrag unter dem Eindruck des deutschen Medienechos auf das Wahlergebnis geschrieben habe, welches sich größtenteils allein mit der Person Berlusconis beschäftigte. Ich möchte nur klarstellen, dass die Wiederwahl dieses Mannes auch meinerseits ganz und gar nicht positiv bewertet wird, dass es mir aber wichtig erschien, hier auf die anderen – sonst selten erwähnten – Ergebnisse der Wahl hinzuweisen.)

Ganz so schlimm ist das ja jetzt nicht in Italien. Berlusconi ist ein alter Mann und hat so ziemlich alle privaten Interessen (z.B. nicht in das Gefängnis gehen zu müssen) bereits in seiner letzten Legislaturperiode (übrigens eine der wenigen stabilen seit der Existenz des italienischen Staates) durchgesetzt. Es bestehen also Chancen, dass er mal was für sein Land tut. Verhandlungsbereitschaft mit der Opposition wurde bereits signalisiert.

Weiterhin kann man in Bezug auf Veltronis Niederlage kaum von einer solchen sprechen: Eine neu gegründete (na gut: fusionierte) Partei, also der Partito Democratico kommt in Senat und Kammer prompt auf 34 Prozent? Das ist doch kein schlechtes Ergebnis. Zumal, wenn man bedenkt, dass Prodis Bündnis von 2006 gerade einmal 31 Prozent einfahren konnte.

Als vorletzter positiver Punkt sei genannt, dass die Wahlbeteiligung mit rund 80 % nicht so gering ausgefallen ist, wie befürchtet. Die antipolitica, also der Vertrauensverlust der Italiener in die politische „Kaste“, ist zwar sehr groß, schlägt doch aber nicht in Boykott um.

Schließlich: Die kleinen Parteien sind weg! Keine Kommunisten mehr und keine Neofaschisten mehr im Parlament. Auch gewissermaßen special interest-Gruppierungen wurden nicht mehr gewählt, was allerdings auch die italienischen Grünen betrifft. Da hat ein Umdenken stattgefunden (natürlich auch schon zuvor bei den Parteien selbst, die sich neu strukturierten). Italien hat aktuell nur noch fünf Parteien im Parlament: Berlusconis rechts-konservatives Bündnis „Volk der Freiheit“; die rechtere, konservativere und förderalistische Lega Nord Bossis; die Christdemokraten Casinis, die Wertepartei des Anti-Mafia-Richters Di Pietro und schließlich die mitte-links orientierte „Demokratische Partei“ Veltronis.

Es gibt ntürlich auch schlechte Nachrichten: Vor allem wohl die sehr hohen Wahlergebnisse für die schon seperatistisch zu nennende, zudem deutlich fremdenfeindliche Lega Nord, die für ganz Italien auf über 8 Prozent kommen konnte, aber in manchen Regionen des Nordens, also etwa in Venetien oder im Piemont beinahe stärkste Partei wurde, mit bis zu 30 Prozent.

Eine andere schlechte Nachricht ist aber, wie wenig Italien noch für deutschen Medien von Interesse ist. Kaum Analysen oder wenigstens etwas kritischere Auseinandersetzungen. Hauptsächlich lief es darauf hinaus, dass man sich wunderte, wie dieser Berlusconi wieder an die Macht kommen konnte, ob die Italiener verrückt seien oder was auch immer. Dabei ist der Sieg Berlusconis alles andere als überraschend. Der Ausgang im Ganzen ist aber eine Überraschung, ja und sogar eine gute.

Aufgefallen ist das vielleicht gerade einmal Dirk Schümer von der FAZ.

Hier noch ein Link zu den Zahlen des offiziellen Endergebnisses beim Corriere.

So: Krank bin ich aber immer noch.

Und: Die letzten Einträge haben mich stark darüber nachdenken lassen, ob ich mir nicht einen Twitter-Account zulegen sollte. Habt ihr denn sowas?

Zuletzt: Ich huste gerade… Jetzt schnaube ich…

Der Cavaliere ist zurück. Da kann man nix machen!

Ich würde auch noch mehr schreiben, wenn ich nicht krank im Bett läge. Wie war das mit dem Semesterbeginn?

Irgendwo, vermutlich beim Perlentaucher, stand neulich, dass in einem Artikel des New Yorker ein Vergleich der beiden massenwirksamen, außerparlamtarischen Spass-Oppositionellen Beppe Grillo und Michael Moore, stattfinden würde. Über die Aussage, dass Grillo der italienische Moore sei, im ersten Absatz des Artikels, ging das dann leider nicht hinaus.

Nichtsdestotrotz hat Tom Mueller ein sehr gutes Portrait Grillos und des derzeitigen antipolitischen Italiens abgeliefert: Beppe’s Inferno.

Darin ein paar rührende Worte über ein rührend-wahnsinniges sardisches Ehepaar, dass durch wuchernde Pachtkosten beinahe auseinandergerissen wurde und bei einer Veranstaltung Grillos plötzlich im Mittelpunkt stand:

Maria Pau, a portly farmer in her sixties, recounted how her husband had slowly grown deranged as their depts mounted. Rather than tell her how dire their situation was, he had demanded a divorce, and had even reported her to the police for attempting to poison him. During her speech, she turned twice to her husband, who had had a stroke and sat in the audience wheelchair. „Don’t cry, Salvatore!“ she told him. Salvatore, his face wet with tears, nodded and tried to smile.

Achso: Pinocchio kommt bald wieder, geht nur gerade zeitlich nicht!

Der Titel mag etwas Anderes vermuten lassen, aber der Super-Tuesday der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten-Kandidatenwahl kommt hier nicht zur Sprache. Politik aber schon:

In Italien gibt es am 13. April Neuwahlen, das ist jetzt amtlich. Vor einer Woche noch galt das als die größtmögliche Katastrophe, mitterweile hat man sich aber irgendwie ganz cool damit abgefunden.

Die Bildung einer Übergangsregierung unter dem moderaten Senatspräsidenten Franco Marini, mit dem primären Ziel ein Wahlgesetz zu verabschieden, das endlich eine stabile Regierung garantieren sollte, ist nicht gelungen. Das konnte auch nicht gelingen, denn letztendlich ging es im Kern darum, die Macht kleiner (also wirklich winziger) Parteien einzuschränken, die mit ihren Paar Parlamentssitzen imstande waren, das Zünglein an der Wage zu spielen und somit über Erfolg oder Misserfolg einer Regierung zu entscheiden. Es war eine solche Partei, die liberale UDEUR des manirierten Finanzministers Clemente Mastella (hier ein Link zu seinem Blog), die die zweite Regierung Prodi stürzte. Dass diese Parteien ihrer eigenen Abschaffung zustimmen würden, indem sie eine Minderheitsregierung ein neues Wahlgesetz verabschieden lassen, konnte wirklich niemand ernsthaft annehmen. Dass das die Regierungskoalition von vornherein blockierende Mitte-Rechts-Bündnis unter Berlusconi dies tun würde, sowieso nicht.

Die Neuwahlen waren also eine hinausgezögerte, aber wohl unausweichliche Entscheidung des Staatspräsidenten Napolitano. Man hatte allgemein zu große Angst vor einer neuen Regierung Berlusconi, die, den Umfragen zufolge, die allesamt sein Bündnis „Haus der Freiheit“ weit vorn sehen, nun ins Haus steht.

Dermaßen unter Druck gesetzt, bewegt sich nun endlich auch die Linke. Schon im September letzten Jahres bildeten die beiden größten moderat linken Parteien des Landes die neue Demokratische Partei (Pd: Partito Democratico). Dies auch, um sich deutlich von den versprengten Altkommunisten abzuheben (die ebenfalls vor einiger Zeit begonnen haben, sich über eine Zusammenlegung und die Gründung einer neuen Linkesaußen-Partei zu beraten).

Heute nun hat Walter Veltroni, der leader (wie die Italiener sagen) der Pd und äußerst beliebter Bürgermeister Roms, verkündet, dass er mit seiner Partei diesmal nicht in Form eines großen (und damit viele kleine Parteien und genauso viele Meinungen einschließenden) Mitte-Links-Bündnisses in den Wahlkampf geht. Das ist mutig. Stellt aber wohl auch den einzigen Weg dar, den Italiener wieder Vertrauen in die Politik zurückzugeben. Denn diese hatten vor kurzem erst, nach einem Aufruf des streitbaren, populismusverdächtigen Komikers Beppe Grillo (hier ein Link zu seinem Blog, dem meistgelesenen Italiens!), ihrem Unmut beim Vafanculo-Day (Geh-und-lass-dich-in-den-Arsch-Ficken-Tag) freien Lauf gelassen.

Dass hier nun etwas gewagt wird und sich nicht wieder auf die politische Kuppelwirtschaft der vergangen – naja – Jahrzehnte zurückgezogen wird, zeigt, dass Veltroni und die Pd die Botschaft verstanden hat. Eine vielleicht etwas pathetische, aber doch auch die ganze Verzweiflung und den Willen nach Änderung zum Ausdruck bringende Äußerung tat Walter (ja, die Italiener nennen ihn so) heute, als er Barack Obama zitierend am Ende eines Interviews ausrief: Yes, we can!

Diese neue Linke, die sich hier anbahnt, kann am ehesten noch dem Mitte-Rechts-Block etwas entgegensetzen, der ebenfalls aus einem bunten Haufen von Parteien besteht, mit einer Bandbreite von moderat liberalen, über regionalistische bis hin zu extrem rechten, neofaschistischen Positionen.

Man kann also nur hoffen, dass „Walter“ erfolgreich ist und Italien und Europa eine dritte Regierung Berlusconi erspart bleibt.

Und jetzt noch das Musikvideo zum Titel: